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    Predefinito Muessen Foederalisten immer rechts sein?

    Haupt: Zusammenarbeit mit SPÖ in Zukunft nicht ausgeschlossen


    FP-Chef will Legislaturperiode durcharbeiten - Weitere Verhandlungen mit ÖVP in Sachen Steuerreform


    FPÖ-Chef Vizekanzler Herbert Haupt schließt eine Zusammenarbeit mit der SPÖ unter Alfred Gusenbauer in Zukunft nicht aus. "Ich komme aus einem sozialen Bereich, in dem ich immer die
    Zusammenarbeit mit den Sozialisten gepflogen habe", sagte Haupt unter Hinweis auf seinen Kontakte zum früheren SP-Sozialminister Josef Hesoun. Dessen "Handschlagqualität" habe er immer geschätzt . "Wenn in der Sozialdemokratie solche Leute wieder das Sagen haben, dann sehe ich eine Zusammenarbeit gleich möglich wie mit der ÖVP", so der FP-Chef in einem Interview mit der Austria Presse Agentur am Rand des Europäischen Forum Alpbach.

    (www.fpoe.at)

    Hier ein Beitrag unter den vielen, der zeigt, dass die FPOE, trotzt innerer Zwistigkeiten und bevor stehender Wahlen sich nicht scheut, zu inhaltlichen Themen gemeinsame Positionen mit der SPOE zu beziehen. In Oesterreich munkelt man zur Zeit sehr laut ueber eine starke verschiebung nach links der FPOE. Der Hauptbefuerworter einer solchen Linie ist ausgerechnet jener Joerg Haider, der von der Boulevardpresse und von politisch motivierten Medien als "Rechtsaussen" diffamiert wird.

    Warum verharrt dagegen Bossi auf Berlusconi-nahen Positionen und verkauft scheibchenweise den Padania-Traum aus?

  2. #2
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    Lieber Mitteleuropeo, bin auch wieder da und habe mit Freude deine deutschen threads entdeckt

    Ich muss zugeben dass ich mich über die österreichische Politik nicht auf dem Laufenden halte aber dein Post ist interessant.
    Leider konnte ich auf dem link keinen Bericht finden der genaueres darüber aussagt. Kannst du das vielleicht nochmal aktualisieren?
    Ich habe in Deutschland bisher immer die Sozialdemokraten gewählt deshalb kann ich eine solche Annäherung der fpö nur begrüßen, allerdings müsste man noch sehen zu welchen Themen diese Annäherung erfolgt....

    Aber was hat das jetzt mit dem Titel des threads genau zu tun? Föderalismus ist ein System das einen großen kulturellen, und politischen Zusammenhalt und vor allem Solidarität unter den verbundenen Ländern erfordert und genau diese Einstellung fehlt dem Herrn Bossi.
    Jeder Deutsche ist vor allem erst mal Deutscher und dann erst Preuße, oder Hesse oder Sachse. In Italien erscheint mir der Anspruch der Föderalisten gerade andersherum, wie soll das funktionieren?
    Man hat eine gemeinsame Sprache, eine verbundene Geschichte und fühlt sich zusammengehörig, nach außen is man eine Einheit, eine Nation. Dann erst kommen die Feinheiten.
    Ich lebe in einem föderalistischen Staat und wenn die Deutschen auch viele Probleme haben sie beschimpfen sich nicht untereinander (ok, vielleicht ein bißchen ) auf jeden Fall bekriegen sie sich nicht.
    Der Bund hat absoluten Vorrang.

    Reiche Länder wie Bayern und Baden-Württemberg zahlen eine Menge an den Bund währen die neuen Bundesländer und Berlin Unsummen verschlingen. Man muss, auf Kosten aller anderen, dort die Voraussetzungen schaffen um die Bedingungen dort zu verändern
    Da kommt natürlich Mißgunst auf! ...und damit auch rechtes Gedankengut

    Ich denke mal dass das in Österreich ähnlich ist? Ich weiss also nicht ob man als Föderalist rechts denken müsste....
    Mir ist im Allgemeinen nur aufgefallen dass föderalistisch geführte Länder wie die USA, Deutschland, die Schweiz oder Österreich aber jetzt auch die Russische Union nicht die Möglichkeit in Betracht ziehen zentralistisch zu werden.... also muss wohl was drann sein, am Föderalismus...für die erzkonservativen Christdemokraten genau so wie auch für die Sozialdemokraten und sogar für die sogenannten Sozialisten

    Eigentlich sind es hier höchstens noch die wirklich Rechten die noch von einem zentralistischen Staat träumen...oder?

    Ich würde mich freuen wenn auch andere an dieser Diskussion teilnehmen würden, wer es sich nicht zutraut auf Deutsch zu schreiben aber versteht, kann doch auch auf Italienisch schreiben, wir verstehen es ja alle

    Ich denke, Mitteleuropeo, ich spreche auch in deinem Sinne


    liebe Grüße

  3. #3
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    [QUOTE]Originally posted by peekaboo

    Ich muss zugeben dass ich mich über die österreichische Politik nicht auf dem Laufenden halte aber dein Post ist interessant.
    Leider konnte ich auf dem link keinen Bericht finden der genaueres darüber aussagt. Kannst du das vielleicht nochmal aktualisieren?

    * Die Webseite der FPOE wird (fast) jeden Tag aktualisiert, deswegen steht dort nicht staendig was zu Grundsatzfragen, eher der taegliche Kleinkram.

    Ich habe in Deutschland bisher immer die Sozialdemokraten gewählt deshalb kann ich eine solche Annäherung der fpö nur begrüßen, allerdings müsste man noch sehen zu welchen Themen diese Annäherung erfolgt....

    * Als ich noch in Deutschland war, war ich auch bei der SPD, da ich die CDU (vielleicht nicht die CSU, aber ich wohnte in Hessen) mit ihrer Anbiederung an das Kapital und ihrem liberistischen Gedankengut (nach dem Fall des Kommunismus) indiskutabel fand.
    Die Annaehrung FPOE/SPOE (zumindest ideologisch) findet auf den Hauptthemen der Nicht-Aufruestung ( keine Abfangjaeger und kein NATO-Beitritt) und der Vorverlegung der Steuerreform statt.

    Aber was hat das jetzt mit dem Titel des threads genau zu tun? Föderalismus ist ein System das einen großen kulturellen, und politischen Zusammenhalt und vor allem Solidarität unter den verbundenen Ländern erfordert und genau diese Einstellung fehlt dem Herrn Bossi.

    * Peeka, das ist bundesdeutscher Foederalismus. In der Bundesrepublik sind gewisse Sachen selbstverstaendlich, wie z.b. "keine Leistung ohne Gegenleistung", "Chancengleichheit", sogar im Bundesrat entscheiden die Bundeslaender ueber viele Angelegenheiten des Bundes.
    In Italien ist m.e. die Sache ganz anders: das Geld wird vor allem im Norden durch Arbeit verdient und im Sueden bereichern sich privilegierte Schichten (NICHT "DAS VOLK" !!) mit diesen Geldern. Strategische Posten in Justiz und Verwaltung werden auch im Norden an Sueditaliener vergeben, die damit de facto das Land nach eigenen Vorstellungen regieren und da hast du die liederliche italienische Wirtschaft. Es kann nicht angehen, dass ein Behinderte im Norden bis zum Tode arbeiten muss und Tausende von Sueditalienern Erwerbsunfaehigkeitsrente kassieren und schwarz arbeiten. Was Bossi (frueher) predigte war nicht soziale Kaelte, sondern Ende der Abzockerei.


    Jeder Deutsche ist vor allem erst mal Deutscher und dann erst Preuße, oder Hesse oder Sachse. In Italien erscheint mir der Anspruch der Föderalisten gerade andersherum, wie soll das funktionieren?

    * Ich bin auch zu 50% Deutscher, und dann erst Westfale. Aber zu 50% bin ich Friauler, nicht Italiener (solltest du mit deiner sardischen Herkunft verstehen).

    Man hat eine gemeinsame Sprache, eine verbundene Geschichte und fühlt sich zusammengehörig, nach außen is man eine Einheit, eine Nation. Dann erst kommen die Feinheiten.

    * Stimmt bedingt fuer Deutschland zu, gar nicht fuer Italien. Die Mentalitaeten sind zu unterschiedlich und der Rassismus aus dem Sueden zu stark. Die wenigen aus dem Norden, die es gewagt haben, im Sueden zu arbeiten, haben sich wie Tuerken in Hoyerswerda/Moelln/Solingen gefuehlt, waehrend die aus dem Sueden uns hier in den Amtsstuben kleinkriegen.

    Ich lebe in einem föderalistischen Staat und wenn die Deutschen auch viele Probleme haben sie beschimpfen sich nicht untereinander (ok, vielleicht ein bißchen ) auf jeden Fall bekriegen sie sich nicht.

    * Eben, weil es ein foederalistischer Staat ist, und dazu stehen alla Parteien. Wenn eines Tages auch Italien foederalistisch werden sollte, dann wird es diese Problemen auch nicht mehr geben.

    Der Bund hat absoluten Vorrang.

    * Lafontaine sah es vor der Wiedervereinigung anders ;-) und bekam eine saftige Rechnung praesentiert ;-)

    Reiche Länder wie Bayern und Baden-Württemberg zahlen eine Menge an den Bund währen die neuen Bundesländer und Berlin Unsummen verschlingen. Man muss, auf Kosten aller anderen, dort die Voraussetzungen schaffen um die Bedingungen dort zu verändern

    *... und nicht die Gelder der Reichen an die Mafia geben.

    Da kommt natürlich Mißgunst auf! ...und damit auch rechtes Gedankengut

    * Erst recht, wenn der zentralistische Staat von Leuten mit bestimmter geografischer Herkunft beherrscht wird.

    Ich denke mal dass das in Österreich ähnlich ist? Ich weiss also nicht ob man als Föderalist rechts denken müsste....

    * meines Wissens ist die Lage in Oesterreich aehnlich als die in Deutschland, nur staerkere Gewichtung von Wien, wg. der Einwohnerzahl. Deswegen ist auch die FPOE Euro-foederalistisch, nicht so sehr oesi-foederalistisch.

    Mir ist im Allgemeinen nur aufgefallen dass föderalistisch geführte Länder wie die USA, Deutschland, die Schweiz oder Österreich aber jetzt auch die Russische Union nicht die Möglichkeit in Betracht ziehen zentralistisch zu werden.... also muss wohl was drann sein, am Föderalismus...für die erzkonservativen Christdemokraten genau so wie auch für die Sozialdemokraten und sogar für die sogenannten Sozialisten

    * Guter Vortrag! :-)

    Eigentlich sind es hier höchstens noch die wirklich Rechten die noch von einem zentralistischen Staat träumen...oder?

    * So isses

    Ich würde mich freuen wenn auch andere an dieser Diskussion teilnehmen würden, wer es sich nicht zutraut auf Deutsch zu schreiben aber versteht, kann doch auch auf Italienisch schreiben, wir verstehen es ja alle

    Ich denke, Mitteleuropeo, ich spreche auch in deinem Sinne


    * E per questo invito anche forumisti di lingua italiana che ci leggono ad intervenire.

    Gruss / Saluti

  4. #4
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    Ich denke dass die Mafia in Italien im Süden den Sozialstaat ersetzt.
    Solange der italienische Staat keine Sozialleistungen bieten kann, die eine Familie mit arbeitslosem Oberhaupt vor dem Verhungern bewahren wird die Mafia existieren.

    Ich verstehe auf einer Seite zwar den Frust des "fleißigen" Nordens, aber der Gedanke dass der eine dem anderen das "mehr oder weniger italienischsein" vorwirft finde ich lächerlich. Der eine ist so italienisch wie der andere - mit kulturellen Differenzen, die zwar berücksichtigt aber nicht überbewertet werden dürfen - und beide sollten stolz darauf sein.
    Wenn man den Föderalismus in Italien durchsetzen würde, gäbe es doch noch die gleichen Probleme! Der Norden müsste auch noch für den Süden aufkommen nur hätte man dann eine klare Aufteilung der Verantwortung und somit eine bessere Kontolle.

    Soziale Ungerechtigkeiten wird es in einem 50 Millionen-Staat immer geben... man muss aber versuchen den Schaden durch Gesetze so gut es geht zu begrenzen. Anders geht es nicht.
    Im Süden müssen andere Bedingungen geschaffen werden und um der Mafia den Boden unter den Füßen wegzuziehen müsste der Staat dem einzelnen Normalsterblichen mehr Sicherheit bieten.


    Wie stelltst du dir denn einen föderalistischen italienischen Staat vor? Braucht ein Sizilianer bald ein Visum um nach Venezien zu fahren und anderherum? Das kann es doch nicht sein!

  5. #5
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    [QUOTE]Originally posted by peekaboo
    [B]Ich denke dass die Mafia in Italien im Süden den Sozialstaat ersetzt.
    Solange der italienische Staat keine Sozialleistungen bieten kann, die eine Familie mit arbeitslosem Oberhaupt vor dem Verhungern bewahren wird die Mafia existieren.

    * Eben, genau richtig. Aber es spricht nicht fuer den zentralen italienischen Staat, sondern dagegen. Dann, wenn eines Tages eine menschenwuerdige Sozialhilfe eingefuehrt wird und die mafiosi ins Gras beissen, dann kann man ueber Entwicklungshilfe fuer Sueditalien sprechen. Jetzt macht es keinen Sinn, da das Geld in die falschen Kanaele fliesst und das Volk im Sueden nichts davon hat. Geschichten koennte ich erzaehlen!!

    Ich verstehe auf einer Seite zwar den Frust des "fleißigen" Nordens, aber der Gedanke dass der eine dem anderen das "mehr oder weniger italienischsein" vorwirft finde ich lächerlich.

    * Vielleicht ist es dir entgangen, dass Padanien (Suedtirol, Mitteleuropa, Friul, Sardinnya...) gar nicht italienisch sein wollen, so wie die Zuercher auch keine Deutsche sein moechten.
    Das ist zumindest geschichtlich belegt. Waehrend Padanien jahrhundetelang Beziehungen zum Roemischen Reich (d. N.) hatte und jede Region, fast jede Provinz eine eigene Regierung hatte, aehnlich wie Deutschland, war Sueditalien ein isoliertes, zentralistisches Land, welches abwechselnd von Franzosen und Spaniern beinflusst war (Regno delle Due Sicilie). Wer in einer so einzigartigen Konstellation aufgewachsen ist, der kann unsere Welt nicht verstehen, fuer den wird die Staatsgewalt (Polizei, Gericht, Finanzamt) immer nur ein Hort von Raeubern bleiben.

    Der eine ist so italienisch wie der andere - mit kulturellen Differenzen, die zwar berücksichtigt aber nicht überbewertet werden dürfen - und beide sollten stolz darauf sein.

    * "Italien ist ein geografischer Ausdruck" (Clemens v. Metternich)

    Wenn man den Föderalismus in Italien durchsetzen würde, gäbe es doch noch die gleichen Probleme! Der Norden müsste auch noch für den Süden aufkommen nur hätte man dann eine klare Aufteilung der Verantwortung und somit eine bessere Kontolle.

    * genau das, nur waere der Norden nicht gezwungen, den Sueden zu subventionieren und koennte selbst entscheiden, wohin die Gelder fliessen. Vor allem, kein Sueditaliener wuerde mehr einer behoerde im Norden vorstehen. Wenn sie aus den behoerden verschwinden, dann kann sich die mafia nicht mahr mit Geld aus dem Norden bereichern.

    Soziale Ungerechtigkeiten wird es in einem 50 Millionen-Staat immer geben... man muss aber versuchen den Schaden durch Gesetze so gut es geht zu begrenzen. Anders geht es nicht.
    Im Süden müssen andere Bedingungen geschaffen werden und um der Mafia den Boden unter den Füßen wegzuziehen müsste der Staat dem einzelnen Normalsterblichen mehr Sicherheit bieten.

    * die sollten ein Paar Jahre im eigenen Saft schmoren und dann wuerden sie schon nach Hilfe aus dem Norden rufen. Dann koennte man aber Bedingungen diktieren.


    Wie stelltst du dir denn einen föderalistischen italienischen Staat vor? Braucht ein Sizilianer bald ein Visum um nach Venezien zu fahren und anderherum? Das kann es doch nicht sein!

    * In der EU waere es nicht noetig. PA genuegt.

    Gruss

  6. #6
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    ...also doch kein föderalistischer sondern ein "zerstückelter" Staat, bzw. viele kleine Staaten die aber dann auf internationaler Ebene wenig zu melden hätten? Ich weiß nicht, sowas können nicht viele wirklich wollen.

    Meine sardische Herkunft hält mich nicht davon ab mich auch als Italienerin zu fühlen. Meine Familie ist zwar sehr stolz auf ihre Wurzeln, fühlt sich aber mit Sicherheit italienisch (was auch mit ihrer Bildung und damit zusammenhängen mag dass sie nicht auf dem Land sondern in Cagliari lebt...) und die Sarden zeigen immer wieder bei den Wahlen dass ihnen an einer Sezession nichts liegt!
    Ich habe schon einmal gesagt: ich habe großes Verständnis für die Bewahrung regionaler und traditioneller Werte aber das geht auch innerhalb eines Staates.

    Den Begriff Padanien kenne ich erst seit Bossi und was ich von dem halte habe ich auch schon mehrfach erwähnt.

    Nein, für mich fehlen momentan die (politischen und kulturellen ) Voraussetzungen für einen Föderalismus in Italien, so leid mir das auch tut. Außerdem befürworte ich eine zentralistisch geführte Bildungspolitik (in Deutschland ein einziges Chaos) und eine Innere Sicherheit die innerhalb der Staatsgrenzen nur Ausnahmen enthalten darf...

  7. #7
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    [QUOTE]Originally posted by peekaboo
    [B]...also doch kein föderalistischer sondern ein "zerstückelter" Staat, bzw. viele kleine Staaten die aber dann auf internationaler Ebene wenig zu melden hätten? Ich weiß nicht, sowas können nicht viele wirklich wollen.

    * Jede wirklich neue Idee, die nicht mit Brachialgewalt, sondern mit gesunder Ueberzeugungskraft unters Volk gebracht wurde, hatte seine Anlaufsschwierigkeiten. Dass der Gedanke eines Europas der Makroregionen, welche die althergebrachten Grenzen der Nationalstaaten ueberschreitet, dan meisten abstrus ersheint, ist nicht verwunderlich. Z.b. musste marx mit seinen kollektivistischen Vorstellungen lange warten, bis sie Lenin (unselig) in die Tat umsetzte.

    Meine sardische Herkunft hält mich nicht davon ab mich auch als Italienerin zu fühlen. Meine Familie ist zwar sehr stolz auf ihre Wurzeln, fühlt sich aber mit Sicherheit italienisch (was auch mit ihrer Bildung und damit zusammenhängen mag dass sie nicht auf dem Land sondern in Cagliari lebt...) und die Sarden zeigen immer wieder bei den Wahlen dass ihnen an einer Sezession nichts liegt!
    Ich habe schon einmal gesagt: ich habe großes Verständnis für die Bewahrung regionaler und traditioneller Werte aber das geht auch innerhalb eines Staates.

    * Da hast du genau meinen wunden Punkt getroffen. Der italienische Staat war, um des eigenen Ueberlebens willen, vom Anfang an bemueht, regionale Eigenstaendigkeiten zu unterdruecken, um so mehr Ausschweifungen, welche die als national empfundenen Grenzen in Frage stellten. In Triest, z. b. wurden Familiennamen zwangsitalianisiert, Strassen wurden nach der Machtergreifung (1918) umbenannt, die deutschsprachige Literatur der Einheimischen wurde unterdrueckt, waehrend die Deutschen, die ihr Domizil in der Nachbarschaft von Triest etablierten, bejubelt wurden. Ich brauche dir nur eine Ricarda Huch, einen Bobi Balzien und meine Wenigkeit (s. www) zu nennen, um zu zeigen, wie wir als unerwuenschte Nebernerscheinung gelten. Alles Triestiner deutscher Muttersprache und patriotischer (D oder A) Gesinnung. Wenn, dagegen, ein Deutscher nach Triest zieht und angibt, sich hier besonders wohl zu fuehlen wegen des mediterranen Klimas und der suedlaendischen Lebensart, der wird hoch leben lassen, gefeiert und als Hauspoet gekroent (Rilke, Heinichen). Eben, weil er nicht gefaehrlich ist, weil er die Italianitaet (steht nicht im Duden) von Triest schaetzt und anerkennt.

    Den Begriff Padanien kenne ich erst seit Bossi und was ich von dem halte habe ich auch schon mehrfach erwähnt.

    * Bossi brauchte ein praegnants Schlagwort, um seine Idee von der Unvereibarkeit der norditalienischen Eigenarten mit den mediterranen Sitten zu definieren. Deswegen entstand der Begriff "Padanien". Ist schon richtig, dass er nicht historisch gewachsen ist, aber die Werbesprache sagt, dass nur praegnante Begriffe Emotionen hervor rufen koennen. "Padania" ist ein sehr praegnanter Begriff und laesst sich muehlos auf Waende und Schilder spruehen.

    Nein, für mich fehlen momentan die (politischen und kulturellen ) Voraussetzungen für einen Föderalismus in Italien, so leid mir das auch tut. Außerdem befürworte ich eine zentralistisch geführte Bildungspolitik (in Deutschland ein einziges Chaos)

    * Die PISA-Studie und ich stimmen dir zu, deswegen, waere ich noch in Deutschland, wuerde ich dafuer plaedieren, dass der deutsche Foederalismus noch weiter ausgedehnt werde, z.b. im Sinne einer Nicht-Uebertaegbarkeit von Noten von Bundesland zu Bundesland. Mit dem Angelschein ist man schon soweit: mit meinem hessischen Angelschein (ohne Pruefung erworben) darf ich in Bayern oder Brandenburg nicht angeln.
    Und es ist gut so.

    und eine Innere Sicherheit die innerhalb der Staatsgrenzen nur Ausnahmen enthalten darf...

    * Deutschland (und Italien) haben in Schengen unterschrieben und sich damit verpflichtet, europaweit fuer eine gleiche Auslegung der Gesetze zum Grenzschutz zu sorgen. Daher eruebrigt sich m.e. die Frage, ob dies auf Landes- oder auf Bundesebene zu geschehen hat.

    Vienen Dank fuer die anregenden Diskussionspunkte und ... bis zur naechsten Runde!

    Ai nostri amici di madrelingua italiana: questa discussione non e' stata concepita come dialogo tra peekaboo e me, ma come oggetto di una discussione molto piu' ampia. Se ci leggete, per favore, partecipate, altrimenti il discorso prende una piega strana, tra SPD e (circa) Lega Nord, che non sono rappresentativi per la maggioranza dei cittadini italiani e tedeschi.

    tschuessi e ogni bene!

  8. #8
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    Originally posted by Mitteleuropeo


    * Jede wirklich neue Idee, die nicht mit Brachialgewalt, sondern mit gesunder Ueberzeugungskraft unters Volk gebracht wurde, hatte seine Anlaufsschwierigkeiten. Dass der Gedanke eines Europas der Makroregionen, welche die althergebrachten Grenzen der Nationalstaaten ueberschreitet, dan meisten abstrus ersheint, ist nicht verwunderlich. Z.b. musste marx mit seinen kollektivistischen Vorstellungen lange warten, bis sie Lenin (unselig) in die Tat umsetzte.
    Hättest du denn gerne ein Europa der Makroregionen ? Also ganz viele kleine souveräne Staaten die sich wahrscheinlich mehr gegenseitig auf die Finger klopfen als irgendetwas gemeinsames auf die Beine stellen? nein danke.
    Ich denke dass die Nationen in Europa mittlerweile ganz ok so sind wie sie sind... Ein Staat kann in seinem Inneren ja machen was ihm beliebt: Föderalismus, Zentralismus, was auch immer.
    Europa aber muss stärker werden und selbstbewusster. Das geht meiner Meinung nach nur durch wirtschaftliche Solidarität und gemeinsamen Zielen in der Weltpolitik.
    Wenn wir uns untereinander nicht einig werden wie wollen wir nach außen denn glaubwürdig sein?



    Alles Triestiner deutscher Muttersprache und patriotischer (D oder A) Gesinnung. Wenn, dagegen, ein Deutscher nach Triest zieht und angibt, sich hier besonders wohl zu fuehlen wegen des mediterranen Klimas und der suedlaendischen Lebensart, der wird hoch leben lassen, gefeiert und als Hauspoet gekroent (Rilke, Heinichen). Eben, weil er nicht gefaehrlich ist, weil er die Italianitaet (steht nicht im Duden) von Triest schaetzt und anerkennt.
    Die Italianität (cooles Wort!) ist doch auch etwas wunderschönes! Alle (Europäer und Nicht-Europäer) sind fasziniert davon und beneiden die Italiener um ihr Land mit seinem unermesslichen Reichtum.
    Jede Region hat ein Stück davon und zusammengenommen ergibt es eben Italien. Ich verstehe nicht wie es Regionen gibt die auf diesen Stolz verzichten wollen.
    Triest scheint so zu sein wie wir beide. Von beidem etwas.. ich würde gerne mal hinfahren.


    * Bossi brauchte ein praegnants Schlagwort, um seine Idee von der Unvereibarkeit der norditalienischen Eigenarten mit den mediterranen Sitten zu definieren. Deswegen entstand der Begriff "Padanien". Ist schon richtig, dass er nicht historisch gewachsen ist, aber die Werbesprache sagt, dass nur praegnante Begriffe Emotionen hervor rufen koennen. "Padania" ist ein sehr praegnanter Begriff und laesst sich muehlos auf Waende und Schilder spruehen.
    danke für diese Erklärung. einleuchtend


    * Die PISA-Studie und ich stimmen dir zu, deswegen, waere ich noch in Deutschland, wuerde ich dafuer plaedieren, dass der deutsche Foederalismus noch weiter ausgedehnt werde, z.b. im Sinne einer Nicht-Uebertaegbarkeit von Noten von Bundesland zu Bundesland. Mit dem Angelschein ist man schon soweit: mit meinem hessischen Angelschein (ohne Pruefung erworben) darf ich in Bayern oder Brandenburg nicht angeln.
    Und es ist gut so.
    Nein, das ist nicht gut!
    Deutschland hat ein schrecklich elitäres Schulsystem. Ich lebe in Baden-Württemberg, das ist fast so schlimm wie Bayern!
    Und jetzt hat D ja wieder eine Keule gekriegt: Irgendeine Studie besagt dass es in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern zu wenig Akademiker gibt und auch zu wenig Abiturienten....
    Wenn es nach den Bayern ginge hätten wir noch weniger.
    Gleiche Bildungschancen für alle!

    * Deutschland (und Italien) haben in Schengen unterschrieben und sich damit verpflichtet, europaweit fuer eine gleiche Auslegung der Gesetze zum Grenzschutz zu sorgen. Daher eruebrigt sich m.e. die Frage, ob dies auf Landes- oder auf Bundesebene zu geschehen hat.
    Ja, ein sehr wichtiger Punkt. Es sind aber nicht alle glücklich damit...

    Vienen Dank fuer die anregenden Diskussionspunkte und ... bis zur naechsten Runde!
    Wir haben ein Haufen Themen angeschnitten. Ich hoffe es wird dir nicht zu chaotisch... aber mir macht es Spaß


    Ai nostri amici di madrelingua italiana: questa discussione non e' stata concepita come dialogo tra peekaboo e me, ma come oggetto di una discussione molto piu' ampia. Se ci leggete, per favore, partecipate, altrimenti il discorso prende una piega strana, tra SPD e (circa) Lega Nord, che non sono rappresentativi per la maggioranza dei cittadini italiani e tedeschi.
    forse un giorno dovremmo riproporre questa discussione in italiano...
    ah... mettici anche un "(circa)" davanti a SPD

  9. #9
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    [QUOTE]Originally posted by peekaboo

    Ich bin so frei und konzentriere mich nur auf ein Thema.


    Deutschland hat ein schrecklich elitäres Schulsystem. Ich lebe in Baden-Württemberg, das ist fast so schlimm wie Bayern!

    Ich habe behanntlich lange in Hessen gewohnt und war selbst Zeuge von der Verwahrlosung hessischer Schulen, von den Erpressungen von Baby-Gangster-Banden in normalen Hauptschulen, z.b. in Frankfurt-Nied und von der oberflächigkeit der Lehrinhalte, die zur Vorbereitung auf das hessische Notabitur erforderlich waren. Kein Respekt vor den Lehrern (ok, grüne Socken, die meisten) und lauter destruktive Gedanken. "Null Bock" war noch eine Ideologie des Stillstands, was sich an Hessens Gesamtschulen abspielt ist eher die Rocky Horror Show.
    Meine Kollegen, die in der Hanauer gegend wohnten, schickten ihre Kinder bach Aschaffenburg (BY) zur Schule und viele Wiesbadener ihre nach Mainz. Klar, dass es manchmal Probleme mit den ferien gab, aber die Kinder konnten mindestens was Vernünftiges lernen.

    Ich glaube nicht, dass eine gewisse Strenge "elitär" sei, wenn schon, dann im Sinne der Schaffung einer kulturellen und geistigen Elite, die Deutschland dringend nötig hat. Sonst, warum würde man Absolventen von US-Hochschulen im Berufsleben bevorzugen? Dass die dort indoktriniert werden, ist keine Frage, aber sind wenigstens fachlich gut.

    Irgendeine Studie besagt dass es in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern zu wenig Akademiker gibt und auch zu wenig Abiturienten....

    * Da hast Du Recht. Ist Oberschwachsinn, weil man heute eher gute Facharbeiter und Techniker braucht als Theoretiker. Klar, dass es immer weniger Abiturienten gibt: wenn der Vater arbeitslos wird, kann das Kind nur mit Abitur keine vernünftige Arbeit finden. Das duale Bildungssystem verlangt, dass das Abitur lediglich eine Aufnahmeprüfung für die Hochschule sein darf.

    Wenn es nach den Bayern ginge hätten wir noch weniger.

    * vielleicht, aber dafür bessere ;-)

    Gleiche Bildungschancen für alle!

    * Ich meine, die gibt es schon. Ich mag es nicht, wenn die Bildung schlecht ist

    Gruss!




  10. #10
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    In Hessen ist bildungstechnisch auch einiges schiefgelaufen.
    Aber mir geht es genau darum! Es dürfen keine Schulen existieren die nur sozial schwache und ausländische Kinder besuchen.

    Du kennst sicher das deutsche Schulsystem: 4 Jahre Grundschule (in der 3. Klasse wird darüber entschieden was aus dem Kind mal wird!) dann sofort Gymnasium, Realschule oder Hauptschule. Die Herren Studienräte der Gymnasien haben keine Lust sich mit Pubertätsproblemen auseinanderzusetzen. In den 9 Jahren Gymnasium wird knallhart selektiert und nicht nur nach Leistung.

    Die Hauptschulen und die Gesamtschulen sind zu dem verkommen was du selbst beschrieben hast. Kein Ort an den man sein Kind hinschicken möchte.
    In Bayern machen weniger junge Menschen Abitur weil die Anforderungen hoch sind... toll! Auch ein mittelmäßiger Student kann ein guter Arzt werden. In Deutschland haben wir ja auch den Numerus Clausus an den Unis.
    Finanziell wird Bildung möglich gemacht aber der Leistungsdruck ist zu hoch.
    Sie sollen eine bundesweit gleiche Abiturprüfung einführen, es wird ja einen Kompromiss geben zwischen Bayern und Hessen

    Für mich sieht es jedenfalls so aus als ob ein Kind in BW und Bayern härter ackern müsste um Abi zu machen als in NRW oder Berlin... das ist doch ungerecht und kontraproduktiv!

    Bildung muss etwas für alle zugängliches sein. Natürlich muss sie leistungsorientiert bleiben aber ich denke dass in D da viele Fehler gemacht werden.
    Das duale Bildungsystem ist gut aber auch da wird viel verpfuscht....
    Das italienische Bildungssystem mag auch noch so veraltet sein, es ist meiner bescheidenen Meinung nach wirkungsvoller als das deutsche.
    Ich persönlich habe es so empfunden...

 

 
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