Es stellt sich in Oesterreich die Frage, ob ein EU-Land an seiner Neutralität fest halten kann, während man an eine gemeinsame EU- denkt.
EU-Beistandspflicht sorgt weiterhin für Diskussion
Parteispitzen von ÖVP und FPÖ, sowie die Europasprecher von SPÖ und Grünen haben am Montag ihre Positionen zu einer EU-Beistandspflicht dargelegt. Bundeskanzler Schüssel betonte, dass die Beistandspflicht "in die richtige Richtung" gehe. Auch FPÖ-Klubobmann Scheibner hält sie für gut und richtig, tritt aber für einen eigenen österreichischen Entwurf ein.
Für eine solche weitere Vorgangsweise Österreichs müsste es aber Gespräche mit der ÖVP, der Opposition und der FPÖ geben, fordert Scheibner. Jedenfalls sei die Entscheidung einer gemeinsamen europäischen Verteidigung mit der österreichischen Bundesverfassung vereinbar, meint der FPÖ-Klubobmann.
Schüssel meint, Österreich habe sich immer zu einer europäischen Solidarität bekannt, die Frage sei, wie die Beistandspflicht im künftigen EU-Verfassungstext genau formuliert werde. Die österreichische Bundesverfassung enthalte heute bereits die Bestimmung, dass Österreich dort teilnehmen könne, wo es ein europäisches Mandat gebe, Frieden zu schaffen oder zu sichern.
SPÖ-Europasprecher Einem plädiert für eine solidarische Lösung unter Berücksichtigung der jeweiligen besonderen Verpflichtungen, die die einzelnen EU-Staaten eingegangen sind. Das gelte gleichermaßen für neutrale und paktfreie Staaten wie für jene EU-Staaten, die durch ihre NATO-Mitgliedschaft bestimmte Verpflichtungen eingegangen sind.
Für Europasprecher Voggenhuber steht fest, dass juristisch eine militärische Beistandspflicht mit Neutralität nicht vereinbar ist. Österreichs Politiker seien in dieser Frage Jahre lang unaufrichtig gewesen und hätten die Bevölkerung getäuscht. "Die politische Einheit EU wird jedenfalls eines Tages - auch mit Österreich - eine Verteidigungsunion sein". Es gehe nur darum, die Form mitzubestimmen, also von Anfang an am Konzept mitzuarbeiten.
Wien (APA)




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