Entfernungsmesser der «Graf Spee» wird geborgen

Deutsches Panzerschiff war im Dezember 1939 vor Montevideo gesunken

Buenos Aires/dpa.
Schon im Alter von 15 Jahren träumte der Uruguayer Héctor Bado davon, das vor der Hauptstadt Montevideo 1939 gesunkene deutsche Panzerschiff «Admiral Graf Spee» zu heben. 30 Jahre später soll es nun am kommenden Freitag (6. Februar) losgehen. Zuerst ist die Bergung des tonnenschweren Entfernungsmessers geplant. Bis die ganze ursprünglich 186 Meter lange «Graf Spee» gehoben ist, dürften selbst unter günstigen Bedingungen noch Jahre vergehen.
«Das Schiff ist ein Symbol für Menschlichkeit im Krieg, weil der Kapitän angesichts eines als aussichtslos eingeschätzten Kampfes gegen britische Schiffe die Selbstversenkung befahl», sagt der heutige Bergungsspezialist. «Kapitän Hans Langsdorff ersparte seinen Jungs und den Jungs der gegnerischen Schiffe den Tod», beschreibt Bado die Bedeutung, die das Wrack für ihn hat.

Für die Hebung seien zwei Jahre vorgesehen, aber es werde wohl eher doppelt so lange dauern, schätzt der Europa-Koordinator der privaten Bergungsgruppe, Thomas Schmid. Für die Restaurierung gibt es weder einen Zeitplan noch eine Kostenschätzung. «Solange das Schiff nicht gehoben ist, und wir nicht wissen, in welchem Zustand es sich befindet, wäre jede Aussage darüber unseriös», meint Schmid.

Bevor die «Graf Spee» wie geplant als Museumsschiff im Hafen von Montevideo der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, werden «Millionen im mehrstelligen Bereich» notwendig sein, ist sich Bado sicher. Die Bergungsgruppe, die zunächst von dem uruguayischen Unternehmer Alfredo Etchegaray finanziert werde, hofft auf Sponsoren aus den Reihen der deutschen Wirtschaft.

Denn die Schäden dürften erheblich sein. Am 17. Dezember 1939 machte eine gewaltige Explosion dem bereits in einer Seeschlacht erheblich beschädigten Kriegsschiff ein jähes Ende. Die meisten der 1100 Mann Besatzung kamen in Argentinien in ein Internierungslager, in dem sich Langsdorff nur vier Tage später das Leben nahm.

Durch die Zündung mehrerer Torpedosprengköpfe und der anschließenden Explosion der restlichen Munition war das etwa 1000 Tonnen schwere Heck abgebrochen. Schnell versank das Kriegsschiff in den Fluten des Rio de la Plata, der dort jedoch nur wenige Meter tief ist. Die aus dem Wasser ragenden Aufbauten brannten noch tagelang.

Mit dem Entfernungsmesser wurden die Ziele für die Geschütze erfasst. Das Gerät ist 10,5 Meter lang, 6 Meter hoch und wiegt 27 Tonnen. «Es liegt neben dem Rumpf und ist damit leicht zugänglich. Dabei wird ein in Deutschland entwickeltes Gerät zur Orientierung in dem undurchsichtigen Flusswasser zum Einsatz kommen», sagt Schmid. Mit einem Echolot und anderen Sensoren werde ein virtuelles Unterwasserbild erstellt.

Zum Glück sei weniger Sand und Schlamm in das Innere der Graf Spee gespült worden, als zunächst angenommen. «Trotzdem sind das mindestens 6000 Tonnen und damit genauso viel, wie der Schiffsrumpf wiegt. Die müssen erst herausgespült werden», sagt Bado. Und vor der Hebung müssten auch unbedingt schwere Teile wie der vordere Geschützturm geborgen werden. «Er allein wiegt 385 Tonnen.» Für die Lagerung und Restaurierung der geborgenen Teile habe die Marine Uruguays eine große Halle zur Verfügung gestellt.

Besondere Hoffnungen verbinden sich mit den Offiziersquartieren, die vermutlich nicht ausgebrannt seien und deshalb noch historisch interessante Gegenstände enthalten könnten. Der frühere Präsident der deutschen Handelskammer in Montevideo, Rudolf Holm, der seit 1937 in Uruguay lebte, sah das jedoch ganz anders. «Eine Bergung ist Irrsinn. Da ist nichts mehr zu holen», tat er schon 1989 damalige Pläne für eine Hebung des symbolträchtigen Wracks ab.