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Discussione: Eine deutsche Karriere

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    Predefinito Eine deutsche Karriere

    diesen Artikel fand ich so interessant dass ich ihn für würdig empfunden habe ihn hier reinzustellen...

    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...296524,00.html

    Eine deutsche Karriere

    Von Norbert F. Pötzl

    Nach dem RAF-Mord an Hanns-Martin Schleyer blieb der kritische Blick auf dessen Vita tabu. Ein neues Buch zeigt Schleyers exemplarischen Weg vom NS-Staat in die Nachkriegsgesellschaft.


    AP
    Entführter Schleyer(1977): Lücke im Lebenslauf

    Das Bild hat sich ins kollektive Gedächtnis der Deutschen eingebrannt: Hanns-Martin Schleyer, der mächtige Boss der Bosse, Doppel-Präsident des Arbeitgeberverbands und des Bundesverbands der Deutschen Industrie, sitzt in Unterhemd und offener Trainingsjacke unter dem Logo der "Roten Armee Fraktion". Vor der Brust trägt er ein Pappschild, das ihn als "Gefangenen der RAF" ausweist - ein zutiefst gedemütigter, Mitleid erregender Mann.

    Haften blieben in den Köpfen die verzweifelten Botschaften des entführten Daimler-Benz-Vorstands an die Ehefrau und die Söhne, an die sozial-liberale Bundesregierung unter Helmut Schmidt und an seinen christdemokratischen Freund Helmut Kohl - vergebliche Hilferufe, weil der Staat fest entschlossen war, sich nicht von Terroristen erpressen zu lassen. Am 18. Oktober 1977, dem 43. Tag nach dem Kidnapping in Köln, kurz nach der Selbsttötung der Stammheimer RAF-Häftlinge, wurde Schleyer im französisch-belgischen Grenzgebiet durch drei Schüsse in den Hinterkopf ermordet.

    "In der öffentlichen Erinnerung wird Schleyers Leben seither ganz vom Ende bestimmt", schreibt der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister, 45, in einer jetzt veröffentlichten Biografie, die seinem im August vorigen Jahres von der ARD ausgestrahlten Dokumentarfilm folgt. Die Sympathien lägen da "psychologisch ganz zwangsläufig" auf Seiten des brutal hingerichteten RAF-Opfers.

    Vorleben ausgeblendet

    Dessen Leben davor wurde seither weitgehend ausgeblendet. Da sich, wie Bundespräsident Walter Scheel beim Staatsakt sagte, "alle deutschen Bürger" in der Schuld des getöteten Wirtschaftsführers befanden, "hörten 1977", so Hachmeister, "schlagartig alle ernst zu nehmenden Recherchen über die Biografie des vom Staat Geopferten auf".

    Bis auf eine Ausnahme. Der erste buchfüllende biografische Versuch war eine Vorwärtsverteidigung, Schleyers Tätigkeit beim Zentralverband der Industrie für Böhmen und Mähren während des Zweiten Weltkriegs in mildem Licht darzustellen. Alte Kameraden Schleyers, die mit ihm nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei in der Verwaltung des "Protektorats" zusammengearbeitet hatten, beauftragten schon wenige Tage nach dem RAF-Mord den Sachbuchautor Hermann Marcus, der selbst in "unserer Prager Zeit persönlicher Referent des Landespräsidenten von Mähren" war. Er sollte Schleyers Leben "objektiv" würdigen.

    Doch der Druck des fertigen Manuskripts wurde verhindert. Schleyers Witwe Waltrude legte ebenso ihr Veto ein wie Daimler-Chef Joachim Zahn und Eberhard von Brauchitsch, geschäftsführender Gesellschafter der Friedrich Flick KG, die damals mehr als 40 Prozent der Daimler-Aktien hielt.

    Die in Auftrag gegeben Biografie erschien nie


    AP
    RAF-Fahndungsplakat: Ahnunglose Entführer

    Die sachlichen Einwände betrafen wohl weniger die Schilderung der NS-Vergangenheit des Protagonisten. Widerspruch löste vielmehr die Beschreibung der Rivalität zwischen Schleyer und Zahn aus, die beide Mitte der sechziger Jahre an die Spitze des Daimler-Benz-Konzerns drängten, sowie die Behauptung des Autors, Schleyer sei als zweifacher Chef der Unternehmerverbände BDA und BDI "umstritten" gewesen, wenn nicht gar "gescheitert". Dem Verfasser und dem Verleger wurden die Buchrechte kurzerhand abgekauft, das Werk verschwand in der Versenkung.

    Mochte das Projekt der Prager Kumpane aus deren Sicht gut gemeint gewesen sein, erschien die Veröffentlichung doch weder der Witwe noch der Daimler-Führung opportun. Die fanden es schon schlimm genug, dass ein linker Schriftsteller wie Bernt Engelmann in Archiven nach Belastungsmaterial fahndete, um die seinerzeit noch vagen Vorwürfe wegen Schleyers SS-Vergangenheit aufzuwärmen und womöglich zu untermauern. Da mussten sich die Schleyer-Apologeten doch nicht freiwillig aus der Deckung wagen.

    Durch den Komment des pietätvollen Verschweigens, schreibt Hachmeister, komme "schnell der Verdacht auf, biografische Recherchen über Schleyer besorgten das Geschäft der Terroristen, indem posthum Ermittlungen gegen einen Mann angestellt würden, der in herausgehobenen Funktionen für die ,deutsche Kontinuität' im 20. Jahrhundert stand". Denn hinter Schleyers Biografie, so Hachmeister, verbirgt sich "die frappierende Geschichte des überzeugten NS-Aktivisten, der am Ende seines Lebens jungen linken Radikalen in die Hände fällt und von diesen hingerichtet wird".

    "Vergröberungen und linke Wandersagen"

    Symptomatisch für die Verschleierung ist die auffällige Lücke in Schleyers Lebenslauf, die das "Munzinger-Archiv", publizistische Standardquelle für deutsche Karrieren, vor 1977 offen ließ und auch heute noch offen lässt: "Hanns-Martin Schleyer wurde am 1. Mai 1915 in Offenburg in Baden als Sohn eines Richters geboren", heißt es dort: "Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften und hat in Innsbruck zum Dr. jur. promoviert. 1951 trat Sch. beim Stuttgarter Automobilkonzern Daimler-Benz AG ein."

    Nicht nur die 12 Jahre zwischen der Promotion und dem beruflichen Einstieg bei den schwäbischen Fahrzeugbauern lagen bislang weitgehend im Dunkeln. Blinde Flecken wiesen auch Jugend und Studienzeit Schleyers auf. Umso mehr wucherten "Vergröberungen und linke Wandersagen", die Hachmeister nun ohne denunziatorisches Gehabe mit Fakten teils widerlegt, teils detailgenau unterfüttert.

    Als 15-Jähriger schloss sich Schleyer, aufgewachsen in einem national-konservativen Elternhaus, der Hitlerjugend an. Später brüstete er sich damit, dass er während seiner Schulzeit für seine "nationalsozialistische Gesinnung gegenüber einer Überzahl Andersdenkender" habe "einstehen" müssen.

    "Ich bin alter Nationalsozialist und SS-Führer"


    Lutz Hachmeister: "Schleyer. Eine deutsche Geschichte". Verlag C.H.Beck, München, 447 Seiten, 24,90 Euro
    Noch ehe er sein Studium in Heidelberg aufnahm, trat er im Sommer 1933 in die SS ein, dann auch in die schlagende Verbindung "Suevia". Im Juli 1935 erklärte er öffentlich seinen Austritt aus der reaktionären Burschenschaft, weil er nicht verstehen könne, "dass ein Corps aus der Auflage, zwei Juden aus der Gemeinschaft zu entfernen, eine Existenzfrage macht".

    Mitglied der NSDAP wurde Schleyer 1937, vom selben Jahr an betätigte er sich als NS-Studentenführer in Heidelberg und später in Prag. Der Aufforderung, seinen Referendardienst anzutreten, begegnete Schleyer 1942 mit dem Argument, er habe Wichtigeres für die "Bewegung" und die Kriegswirtschaft zu tun: "Ich bin alter Nationalsozialist und SS-Führer."

    Als Leiter des Präsidialbüros im Zentralverband der Industrie für Böhmen und Mähren betrieb Schleyer mit seinem Mentor Bernhard Adolf die "Germanisierung" der tschechischen Wirtschaft. Beiläufig räumt Hachmeister mit der sich hartnäckig haltenden Legende auf, Schleyer sei in Prag die "rechte Hand" des Holocaust-Organisators und stellvertretenden Reichsprotektors Reinhard Heydrich gewesen und mit ihm regelmäßig im offenen Wagen durch die Stadt gefahren.

    Hassfigur für Linke und Terroristen

    Nach Kriegsende und Internierungshaft, nachdem er als schlichter "Mitläufer" entnazifiziert worden war, setzte Schleyer seine Karriere reuelos fort. Neben seinem Aufstieg im Daimler-Benz-Konzern profilierte er sich als harter Haudegen in Tarifkämpfen, der 1963 erstmals während eines Streiks 300.000 Metallarbeiter in Baden-Württemberg aussperren ließ.

    So wurde Schleyer, privat ein geselliger und trinkfester Kumpel, zur Galionsfigur des deutschen Kapitalismus und zum klassischen Feindbild der Linken - im RAF-Jargon "der fette Magnat der nationalen Wirtschaftscreme".

    Der bullige Superbonze mit der Mensurnarbe im Gesicht war denn auch für seine Entführer eine Hassfigur, die sich die RAF nicht besser hätte ausdenken können: einer, der geradlinig von einem System ins andere gewandert war und die Behauptung von der "faschistischen" Bundesrepublik zu belegen schien. Er verkörperte perfekt, was die 68er an der Generation ihrer Väter hassten: Schleyer hatte "zur mittleren Elite des NS-Staates" (Hachmeister) gehört und seine braune Vergangenheit stets verschwiegen.

    Angereicherte Enthüllungen


    DPA
    Tatort der Schleyer-Entführung in Frankfurt: Vom Ende bestimmte Erinnerung

    Als die RAF-Terroristen ihr Opfer auswählten, wussten sie jedoch wenig mehr als das, was über Schleyer damals in linken Kreisen kursierte. Eine Quelle war Bernt Engelmanns 1974 veröffentlichter Schlüsselroman "Großes Bundesverdienstkreuz", in dessen Mittelpunkt der pfälzische Gummifabrikant ("Pegulan") Fritz Ries stand - Schleyers einstiger "Fuchsmajor" bei der "Suevia".

    Hachmeister bestätigt weitgehend diese Angaben Engelmanns, der bei seinen Recherchen eifrig von der DDR-Staatssicherheit unterstützt worden war. Erst in einer Neuauflage 1986 lud Engelmann die NS-Laufbahn Schleyers mit allerlei falschen Behauptungen auf.

    Zwar versuchten die Schleyer-Entführer im "Volksgefängnis" noch mehr aus ihrer Geisel herauszupressen. Sie ließen aber, wie der Terrorist Stefan Wisniewski später bekundete, bald von dem Vorhaben ab - wegen der "Befürchtung", dass Schleyer "nicht mehr austauschfähig" wäre, "wenn wir ihn weiter runtermachen". Ein Scheusal, erkannten die RAF-Leute, kann schwerlich als Faustpfand dienen.

    Täter unter sich

    In den Verhörversuchen drehte Schleyer denn auch den Spieß um und führte den Terroristen vor Augen, dass sie zur Erreichung kurzfristiger Ziele - hier: die Freipressung ihrer im Stammheimer Hochsicherheitsgefängnis einsitzenden Gesinnungsgenossen - dieselben brutalen Methoden anwandten, die sie an den Nazi-Vätern kritisierten. "Der Zusammenhang deutscher Geschichten", schrieb der Schriftsteller Friedrich Christian Delius 1997 in der "Zeit", "war plötzlich aufs peinlichste hergestellt": "Das ehemalige Mitglied einer kriminellen Vereinigung" war "gefangen von Mitgliedern einer neuen kriminellen Vereinigung".

    Diese Kontinuität empfand auch Außenminister Joschka Fischer. Als Zeuge im Prozess gegen das ehemalige RAF-Mitglied Hans-Joachim Klein sagte der einstige Frankfurter Straßenkämpfer: "Als ich las, wie die Ermordung Schleyers begründet wurde, hätte ich vor Wut fast heulen können. Das war die kalte Sprache der Mörder von Auschwitz und Sachsenhausen, das war deren Mordtechnik des Genickschusses."

  2. #2
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    Es handelt sich hier sicherlich um ein sehr interessantes Thema: die Verflechtungen zwischen Personen mit einer etwas fragwürdiger Vergangenheit und den obersten Etagen der deutschen Wirtschaft.

    Ich möchte hinzufügen, dass meiner persönlichen Erfahrung nach, diese Vorkommnisse eher Seltenheitswert besitzen. Es mag vereinzelt vorgekommen sein, dass ein Unverbesserlicher alte Seilschaften benutzt, um auf der Karriereleiter besonders schnell aufzusteigen, aber es ist keineswegs die Regel.
    Im heutigen Deutschland ist eher Fachkompetenz als politische Zugehörigkeit gefragt, wichtige Posten, die z.b. in Italien unter der Hand an handverlesene Freunde vergeben werden, werden in Deutschland sehr oft auf überregionalen Zeitungen oder im Internet ausgeschrieben.

    Vor allem, wenn jemand sich öffentlich zu rechtsextremen Ideologien bekennt, ist sein Verschwinden aus der politische und wirtschaftlichen Szene nur eine Frage der Zeit. Und diese Zeit ist in der Regel kurz bemessen. Neulich hat der Fall Hohmann bewiesen, dass die deutsche öffentliche Meinung sehr aufmerksam die Aussagen ihrer Prominenz beobachtet und bei den ersten Anzeichen einer undemokratischen Gesinnung, den Verdächtigen sofort aus dem Verkehr zieht.

    Noch eine Ueberlegung zum Motiv der RAF, H.M. Schleyer zu entführen und zu ermorden. In jener Zeit hatte die RAF sich als Aufgabe gestellt, den sozialkritischen Unterbau der 68er Krawalle in die Tat umzusetzen. Wie Al Kaida heute, richtete die RAF ihre Angriffe auf Symbole. H.M. Schleyer gehörte eindeutig zu dieser Kategorie und wurde m.e. wegen seiner Funktion und nicht wegen seiner politischen Meinung als Sündenbock auserkoren.
    Es war nicht der Versuch, einen als "Nazi" Verdächtigen aus dem Verkehr zu ziehen, sondern eine Drohgebärde an den verhassten "kapitalistischen Staat". Nicht zu vergessen, dass damals noch ein anderer deutscher Staat existierte, dessen verbiondungen mit der politischen Kriminalität im Westen niemals abschliessend durchleuchtet wurden. Wenn Der Spiegel versucht, eine Art "gerechter Rache" daraus zu konstruieren, dann ist der Redakteur bloss sensationsgeil.

    Dass ein solcher Artikel heute in einer renommierten Zeitschrift erscheinen durfte, ist ein Zeichen, dass das heutige Deutschland geschlossen für die Werte der Demokratie eintritt und dass ein Abdriften in totalitäre Gefilde nur in den Köpfen derer vorstellbar ist, die die Wirklichkeit im heutigen Deutschland nicht kennen oder nicht kennen wollen.

    Schönes Wochenende an alle Leser!

  3. #3
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    Ich bin davon überzeugt dass sich Schleyer früher oder später öffentlich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen hätte müssen wenn er nicht der RAF in die Hände gefallen wäre...
    Tatsache ist dass bis in die 80er die NS-Vergangenheit Deutschlands kaum aufgearbeitet wurde und dass es zuviele fragwürdige Bonzen in den Führungsreihen des Wirtschaftswunder-Deutschlands gab.
    Ich finde es bemerkenswert wie bis in die heutige Zeit die Biographie Schleyers totgeschwiegen wurde ...aber es ist nie zu spät die Dinge bei ihrem Namen zu nennen.
    Außerdem ist es richtig dass die Deutschen sich andauernd mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.... (erst diese Tage gab es auch ein sehr interessantes Interview mit dem letzten Überlebenden der Verschwörer gegen Hitler)
    Wie in dem Schleyer-Artikel hervorgehoben wird: durch seinen Tod wird er als Opfer angesehen, er war aber die Personifizierung dessen was die damalige Jugend (und für die folgende Generation zu der ich gehöre) am deutschen Staat am meisten hasste....

    Dass sich in Deutschland niemand in öffentlicher Position zu Extremismus ungestraft (von der Öffentlichkeit) bekennen kann, sei der nun rechts oder links gerichtet, finde ich gut.
    Die Deutschen haben aus ihren Fehlern gelernt und haben am eigenen Leib erfahren was eine größenwahnsinnige Massenhysterie kosten kann.
    Auf der anderen Seite besteht aber auch so etwas wie eine sehr hohe Anforderung von seiten der Weltöffentlichkeit an die Deutschen, die auch mich schon des öfteren geärgert hat. Leidenschaftliche, öffentlich bekundeter Patriotismus ist immernoch ein Tabù und wenn ein deutscher Politiker mal in's Fettnäppfechen tritt zeigt die ganze Welt empört mit dem Finger auf ihn (ich denke da gerade an Frau Däubler-Gmelin) und die Machthabenden haben gar keine Chance das dann nicht öffentlich zu verurteilen.
    Die Deutschen schleppen immer noch ihr Kreuz, sie dürfen sich gewisse Fehltritte nicht mehr erlauben

  4. #4
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    Liebe peekaboo,
    was du schreibst ist von der Sache her absolut richtig und bestätigt meine Ueberzeugung, dass Deutschland heute absolut nicht für eine Diktatur anfällig ist. Aber.....

    Originally posted by peekaboo

    Leidenschaftliche, öffentlich bekundeter Patriotismus ist immernoch ein Tabù und wenn ein deutscher Politiker mal in's Fettnäppfechen tritt zeigt die ganze Welt empört mit dem Finger auf ihn (ich denke da gerade an Frau Däubler-Gmelin) und die Machthabenden haben gar keine Chance das dann nicht öffentlich zu verurteilen.
    Die Deutschen schleppen immer noch ihr Kreuz, sie dürfen sich gewisse Fehltritte nicht mehr erlauben
    * Was mich ärgert ist, dass selbst ein normaler Patriotismus in der deutschen Oeffentlichkeit immer noch nicht möglich ist. Das letzte Mal, dass ich eine in Schwarz-Rot-Gold dekorierte Strasse gesehen habe, was 1987 in Leipzig. Leider hatten jene Fahnen einen gewissen Schönheitsfehler in der Mitte .
    M.e. wird das Fettnäpfchen viel zu eng definiert, selbst absolut harmlose und demokratische Vaterlandsliebe wird von den Medien als potentielle Gefahr stigmatisiert. Abgesehen von der Verewigung des Eindrucks politischer Unmündigkeit, der Deutschland als Land aus der zweiten Bundesliga erscheinen lässt, birgt diese gedankliche Zwangsjacke die Gefahr, dass der Patriotismus von vereinzelten Chaoten aufgegriffen wird und damit von idiotischen Sprüchen aus der damaligen Zeit in die Schmuddelecke getrieben wird. Wenn man den Stolz, deutsch zu sein, auch normal äussern könnte, wie es überall in Europa, einschliesslich Oesterreich, möglich ist, dann würde man den Chaoten den Wind aus den Segeln nehmen.
    Zu Frau Däubler-Gmelin kennst du schon meine Meinung: "Herta for President"

    Kommt Zeit, Kommt Rat... ( )

    Alles Gute!

  5. #5
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    Predefinito Ist das noch ein normales Land?

    Gerade auf www.startseite.de gelesen:

    Schröder fordert Engagement gegen Antisemitismus
    Dienstag, 27. April 2004 18:14 Uhr

    Berlin (dpa) - Vor dem Beginn der internationalen Konferenz über Antisemitismus in Berlin hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zum Kampf gegen Judenhass und Rassismus aufgerufen. Diese seien "keine Randphänomene" offener Gesellschaften, sondern "ernste Gefahren" für Demokratien und die unverletzliche Menschenwürde, erklärte Schröder am Dienstag.

    Die Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit mehr als 600 Delegierten findet in Berlin unter starkem Polizeiaufgebot statt. Dabei wollen am Mittwoch und Donnerstag Vertreter von 55 Staaten einen Aktionsplan gegen Antisemitismus erarbeiten.

    Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte: "Bedauerlicher Weise ist diese Konferenz notwendig." Der Antisemitismus müsse in all seinen Formen geächtet werden. Deutschland sei darum gebeten worden, die OSZE-Konferenz zu organisieren. "Das ist auch ein Vertrauensbeweis für das demokratische Deutschland vor dem Hintergrund unserer Geschichte."

    Nichtstaatliche Organisationen stellten am Dienstag einen 50- Punkte-Plan mit konkreten Maßnahmen gegen Antisemitismus vor. Darin enthalten sind Handlungsaufforderungen an die OSZE, EU, nationale Regierungen und Parlamente.

    Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel warnte vor einer neuen Form des Antisemitismus in Europa. Gerade in Zeiten ökonomischer Krisen wachse die Versuchung, Schuldige zu finden, sagte Merkel bei einer Tagung des Jüdischen Weltkongresses im Vorfeld der Konferenz. In Deutschland nehme die Judenfeindlichkeit zu. Unter dem Eindruck des Nahost- Konfliktes und der Kritik an Israel bestehe die Gefahr einer "neuen unheiligen Allianz" zwischen Globalisierungsgegnern und islamischen Fundamentalisten.

    Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering erklärte, auch knapp 60 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus sei der Antisemitismus noch immer lebendig. Angesichts des hohen Alters der Holocaust- Überlebenden müsse in Zukunft über neue Formen der Erinnerung nachgedacht werden.

    Der Vorsitzende der Grünen, Reinhard Bütikofer, äußerte sich kritisch zur früheren Haltung seiner Partei zu Israel. Heute sei er stolz, dass Außenminister Fischer zu den besten Freunden Israels zähle. In Europa drohe aber eine Verbindung von Judenfeindschaft, islamischem Fundamentalismus und Antizionismus. Auch der Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Israel Singer, sagte, Rassismus und Hass seien wieder in Mode gekommen.

    Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, wertete die Einwanderung von 70 000 Juden in den letzten Jahren als riesigen Vertrauensbeweis für Deutschland. Der Zeitung "Die Welt" sagte er, es sei aber problematisch, dass der Antisemitismus in Deutschland sich nicht mehr nur "in den Schmuddelecken", sondern auch bei den Eliten finde.


    * Bekomme ich aus der Entfernung etwas Wesentliches nicht mit oder hat Deutschland keine anderen Probleme??

  6. #6
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    haha.... das passt jetzt wirklich wie die Faust auf's Auge!

    Ja... ich könnte mich über solche Aktionen auch immer wieder aufregen.... an sich ist das ja ganz ok, aber bei der aktuellen Weltpolitik finde ich das ziemlich daneben.
    Man könnte meinen die deutsche Regierung hat Angst davor als antisemitisch dazustehen nur weil sie nicht hinter den Amis und den Israelis steht im Moment.
    Vor allem ändern solche Konferenzen sicherlich nichts an der politischen Einstellung mancher Nostalgiker.

 

 

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